|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
Aktuelle
Termine: |
|
|
Kompaktkurs
"Elektrische Antriebstechnik" (Inhalt)
15.10. - 17.10.12
in Nürnberg
"Auslegung
elektrischer Antriebe" (Inhalt)
18.10. - 19.10.12
in Nürnberg
|
| |
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Experimentieren Sie online mit elektrischen
Antrieben im:

|
|
|
Regelverfahren für elektrische Antriebe
|
 |
|
|
Regelung mit Mikroprozessoren
Elektrische Servoantriebe werden heute fast ausschließlich
digital realisiert. Ihre Funktionalität ist in
der Software des Mikroprozessors enthalten. Welche Besonderheiten
sich daraus für die Antriebe ergeben, wird nachfolgend
dargestellt.
Funktionen der Antriebsregelung
Die Antriebssoftware besteht bei genauerer Betrachtung
aus einer großen Anzahl von Unterprogrammen. Jedes
Unterprogramm enthält eine bestimmte abgegrenzte Funktionalität.
Das
Betriebssystem des Antriebes ruft die Unterprogramme innerhalb
eines bestimmten Zeitraums (Zyklus) in einer definierten
Reihenfolge auf. Diese Aufrufe werden zyklisch wiederholt.
Auf diese Weise werden alle Antriebsfunktionen nacheinander
und fortlaufend bearbeitet.
Geschieht die Bearbeitung sehr schnell, erscheint es so,
als ob die in den Unterprogrammen hinterlegten Funktionen
wie in einem analogen System parallel ablaufen. Tatsächlich
arbeitet der Mikroprozessor des Antriebes jedoch seriell
und arbeitet alle Funktionen nacheinander ab.
Durch Interrupts kann das Betriebssystem auf besondere Ereignisse
reagieren, die normale Reihenfolge unterbrechen und spezielle
Unterprogramme bzw. Funktionen "dazwischenschieben".
Das obenstehende Bild zeigt eine sehr stark vereinfachte
Darstellung der in digitalen Antrieben benötigten Funktionen,
die in den Unterprogrammen abgearbeitet werden. Es ist zu
erkennen, daß neben den bereits bekannten Regelfunktionen
für Strom, Drehzahl und Lage noch weitere Funktionen
erforderlich sind. So müssen z. B.
- Sollwerte und Steuerkommandos eingelesen,
- Istwerte ausgegeben,
- interne Steuerungs- und Schutzfunktionen ausgeführt
und eine
- Bedienerschnittstelle bereitgestellt
werden.
|
Zeitscheiben
Der Mikroprozessor eines digitalen Antriebes
kann die in den Unterprogrammen abgelegten Funktionen
nur seriell abarbeiten. Es wäre deshalb naheliegend,
alle Unterprogramme durch das Betriebssystem in der
erforderlichen Reihenfolge aufrufen zu lassen, dann
bis zum Ende der festgelegten Zykluszeit zu warten und
anschließend den nächsten Aufrufzyklus zu
beginnen. Der Mikroprozessor müßte dann allerdings
so leistungsfähig sein, daß er alle Funktionen
in einer hinreichend kurzen Zeit bearbeiten kann. Praktisch
ist dieser Ansatz nicht realisierbar wenn man bedenkt,
daß die Stromregelung und der Steuersatz im Bereich
von Mikrosekunden zyklisch bearbeitet werden müssen.
Bei diesem Ansatz würde auch Unterprogramme mit
weniger zeitkritischen Funktionen laufend aufgerufen
und die Rechenleistung des Mikroprozessors nutzlos verschwenden.
Man geht daher den Weg, verschiedene Zyklen zu definieren.
Man nennt diese Zyklen auch Zeitscheiben. Die Zeitscheiben
bauen aufeinander auf und unterscheiden sich in ihrer
Länge jeweils um den Faktor 2. Die Zeitscheibe
T0 ist die schnellste Zeitscheibe. Die Zeitscheibe T1
ist doppelt so lang wie die Zeitscheibe T0. Die Zeitscheibe
T2 ist wiederum doppelt so lang wie die Zeitscheibe
T1 usw. Je nach Notwendigkeit kann ein digitaler Antrieb
mehr als 10 Zeitscheiben enthalten.
Die verschiedenen Unterprogramme werden
nun den verschiedenen Zeitscheiben zugeordnet und damit
ihre Aufrufhäufigkeit festgelegt. Die Funktionen
mit den höchsten dynamischen Anforderungen, insbesondere
die Regelfunktionen müssen in den kürzesten
Zeitscheiben bearbeitet werden. Funktionen mit geringeren
Ansprüchen an die Bearbeitungshäufigkeit wie
z. B. die Parametrierschnittstelle können in langsameren
Zeitscheiben bearbeitet werden.

Das Betriebssystem arbeitet zeitgesteuert.
Seine Arbeitsweise wird anhand des oben stehenden Diagramms
verdeutlicht.
Ein Timer sendet zyklisch einen Interrupt aus und startet
damit eine neue Zeitscheibe T0. Das Betriebssystem beginnt
die Unterprogramme (z. B. die Stromregelung) aufzurufen,
die der Zeitscheibe T0 zugeordnet sind. Sind alle diese
Funktionen bearbeitet, wechselt das Betriebssystem in
die Zeitscheibe T1 und ruft die dieser Zeitscheibe zugeordneten
Unterprogramme (z. B. Drehzahlregelung) auf. Sind diese
Programme bearbeitet, geht die Bearbeitung in der Zeitscheibe
T3 (z. B. Lageregelung) weiter. Irgendwann löst der
Timer jedoch einen neuen Interrupt aus. Dann wird die
Bearbeitung des laufenden Unterprogrammes unterbrochen
und das Betriebssystem bearbeitet wieder die Unterprogramme
in der Zeitscheibe T0. Ist die Bearbeitung abgeschlossen,
wechselt das Betriebssystem jedoch nicht wieder automatisch
in die Zeitscheibe T1. Da die Bearbeitung von T1 bereits
nach dem vorherigen Timerinterrupt abgeschlossen wurde
und das Betriebssystem nur in jedem 2. Durchlauf von T0
die Funktionen der Zeitscheibe T1 bearbeiten muß,
setzt es nun seine Arbeit in dem zuvor unterbrochenen
Unterprogramm (z. B. Lageregelung) der Zeitscheibe T3
fort. Der weitere Ablauf kann dem Diagramm entnommen werden.
In Summe ergibt sich damit eine von Außen kaum zu
durchschauende Bearbeitungsreihenfolge der einzelnen Unterprogramme.
Der Mikroprozessor arbeitet die Funktionen insbesondere
der langsameren Zeitscheiben "stückweise"
ab.
Die Unterprogramme der einzelnen Zeitscheiben
dürfen nur eine bestimmte Bearbeitungsdauer beanspruchen.
Würde z. B. die Stromregelung in der Zeitscheibe
T0 sehr lange dauern, wäre kaum noch Zeit für
die Drehzahlregelung in Zeitscheibe T1. Diese könnte
nicht innerhalb der Zeitscheibe T1 vollständig abgearbeitet
werden. Das Betriebssystem würde diesen "Überlauf"
der Zeitscheibe T1 bemerken und den Antrieb abschalten.
In digitalen Antrieben ist deshalb immer eine Reserve
an freier Rechenzeit erforderlich.
Durch besondere Funktionen wird sichergestellt, daß
der Signalaustausch zwischen den Zeitscheiben immer konsistent
bleibt. Es wir verhindert, daß z. B. der Drehzahlregler
in der Zeitscheibe T1 einen unvollständig berechneten
Sollwert vom Lageregler bekommt, weil die Zeitscheibe
T2 gerade unterbrochen wurde.
Aufgrund der Bearbeitung der Unterprogramme in Zeitscheiben
ergibt sich im Vergleich zu analog geregelten Antrieben
ein verzögerter Signaldurchlauf. Eine Änderung
des Lagesollwertes in der Zeitscheibe 1-2 wird in 2-3
am Lageregler, in 4-1 am Drehzahlregler und erst in 1-2
am Stromregler wirksam. Es dauert im obigen Beispiel also
4 Zyklen, bis eine Lagesollwertänderung auch tatsächlich
am Stromregler eine Wirkung hervorruft. Hier liegt ein
eindeutiger Nachteil der digitalen Antriebe gegenüber
den Antrieben mit analoger Regelung. Durch immer kürzere
Zykluszeiten (Zeitscheiben T0), Verschiebung der Funktionen
in immer kürzere Zeitscheiben und durch eine geschickte
Aufrufreihenfolge der Unterprogramme der soll dieser Nachteil
verringert werden.
|
|
Digitale Berechnung der Übertragungsglieder
In den zyklisch aufgerufenen Unterprogrammen
werden die verschiedenen Regelungsfunktionen berechnet.
Dazu müssen die Übertragungsfunktionen der Regler
in mathematische Gleichungen übersetzt werden, die
der Mikroprozessor bearbeiten kann. Nachfolgende Tabelle
zeigt, wie die Grundübertragungsfunktionen mit Differenzengleichungen
realisiert werden. Dabei bedeuten:
-
x: Eingangsgröße des Übertragungsgliedes
-
y: Ausgangsgröße des Übertragungsgliedes
-
-
n-1: vergangener Zeitpunkt, ein Zyklus
vor dem aktuellen Zeitpunkt
-
T: Zeitdauer des Zyklus, in dem das
Übertragungsglied berechnet wird
Der Verlauf der Ausgangsgrößen ist in digitalen
Regelungen nicht kontinuierlich sondern weist aufgrund der
zyklischen Berechnung Sprünge auf. Innerhalb eines
Zyklus ist die Ausgangsgröße konstant.
|
|
|